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Petruskirche in Kattenhorn
Oberhaldenstraße 1
78337 Öhningen

Wegen ihrer bunten Fenster, die von Otto Dix entworfen wurden, ist die Petruskirche berühmt.

Zu diesen Bildern finden Sie hier drei Predigten vom ehemaligen Pfr. Gerhard Knötzele (+2007).

1. Predigt zu den Kirchenfenstern

2. Predigt zu den Kirchenfenstern

3. Predigt zu den Kirchenfenstern

1. Predigt zu den Kirchenfenstern in Kattenhorn

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Matthäus 26,33+24,69-75

Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle Ärgernisse nehmen, so will ich doch niemals Ärgernis nehmen an dir. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Petrus aber saß draußen im Hof; da trat eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa. Er verleugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber hinausging in die Torhalle, sah ihn eine andere und srach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.
Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und nach einer kleinen Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich. Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören. Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Han kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

 

Machen wir uns die Vorgeschichte zu diesem Bild gegenwärtig:

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Jesus sagt wenige Stunden vor seiner Verhaftung zu seinen Jüngern "Alle werdet ihr irre werden an mir.  Schon in der Heiligen Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, und die Schafe der Herde werden sich in alle Winde zerstreuen. Wenn ich aber aus dem Tod zu neuem Leben aufstehen werde, dann werde ich euch nach Galiläa vorangehen.”

Da widersprach Petrus: “Und wenn alle den Glauben an dich verlören, ich könnte an dir nie irre werden.”

“Ich sage dir", warnte ihn Jesus, “heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal feierlich versichern, du hättest nichts mit mir zu tun.” Aber Petrus blieb dabei: Wenn ich auch mit dir sterben müßte, würde ich mich doch nicht von dir lossagen.”

Wenn man angibt, wenn man sich selbst überschätzt, weckt man Aggression bei den anderen.  Oder, wenn die vielleicht die Angeberei nicht merken, weckt man Gefühle der Minderwertigkeit bei den anderen. Auf alle Fälle geschieht eines beim Angeben: Man verliert seinen Partner.  Der andere geht jetzt gegen einen, oder er blickt von unten zu einem hoch. Er steht nicht mehr neben einem. Er ist nicht mehr der Freund.

Petrus war der Freund Jesu. Er hatte damals als erster gesagt: "Du Jesus bist nicht nur ein großartiger Mensch, du bist der Messias!" Aber jetzt, nach dieser Angeberei ist er sozusagen unbrauchbar, ungenießbar für Jesus geworden, der doch in den Tod geht und Freunde jetzt so bitter nötig hätte. Nachher im Garten Gethsemane-, in der letzten Stunde der Freiheit für Jesus, da schläft Petrus den Schlaf des Gerechten. Da schläft er den Schlaf des selbstgerechten Angebers, und Jesus ist ganz allein.

Und dann ist es zu spät.  Hochmut, Selbstüberschätzung kommen vor dem Fall.  Wir wissen ja, was dann geschah: Jesus wurde verhaftet und verhört.  Zum Verhör gehörte auch die Folterung.  Petrus saß währenddessen drunten im Innenhof. Er konnte wohl Jesus sehen durch die Tür.

Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters vorbei. Als sie Petrus sich wärmen sah, schaute sie ihn näher an und bemerkte: "Du warst auch mit dem Nazarener, diesem Jesus, zusammen." Er aber leugnete: "Ich kenne ihn nicht.Ich verstehe auch nicht, wovon du eigentlich redest.” Und er ging hinaus in den Vorhof. Das Mädchen sah ihn draußen wieder stehen und sagte zu den Umstehenden: "Er gehört auch dazu!" Er aber leugnete wieder. Eine kleine Welle danach wandten sich die Leute, die da standen, aufs Neue an Petrus: "Kein Zweifel, du gehörst auch dazu. Man hört es ja an deinem Dialekt. Du bist ein Galiläer.” Da fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: "Ich kenne diesen Menschen nicht. Von wem redet ihr eigentlich?" Da krähte der Hahn zum zweiten Mal, und Petrus erinnerte sich, daß Jesus gesagt hatte: "Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.” Da fing er an zu weinen. Von diesem schrecklichen Augenblick erzählt das Bild, das wir nun betrachten.

Da fing er an zu weinen! Das ist also das Ende vom Lied. Was ich am erschütterndsten finde: daß Christus weit weg ist, ganz weit weg wie hinter einer Wand aus Betonglassteinen. Dort steht der Messias allein gelassen sein menschliches Schicksal durch. Derweilen ist Petrus ganz mit sich beschäftigt. Jesus ohne den Freund Petrus, Petrus ohne Christus. Er weint. Man sieht Steine vor und hinter ihm. Die Mauern der Einsamkeit wachsen um ihn herum. Das Gesicht verzerrt sich. Er krampft seine Hände vor sein Gesicht. Die verkrampften Lippen geben die Zähne frei. Er duckt sich weg vor dem Hahnenschrei, vor diesem verdammten Hahnenschrei. So, wie es Dix gemalt hat, duckt er sich weg vor seinem eigenen Spiegelbild. Denn vor ein paar Stunden war er noch selbst dieser bunte, hochgeplusterte Gockel."Nein, nicht ich! Nie würde ich dich verlassen! Und wenn ich mit dir sterben müßte! Kikeriki! sehe ich nicht gefährlich aus mit meinen Krallen und mit meinem roten Kamm! Ich imponiere! Die werden rennen!" Der Männlichkeitsgockel bunt, schön, laut.

Mir geht es so. Ich kann mich freuen an dem Kunstwerk, denn für mein Gefühl sind der Hahn und die Fische im Netz (an der Altarwand) eigentlich das schönste auf diesen Bildern, das gelungenste. Aber es geht ja nicht nur um das gelungene Kunstwerk. Das Bild gibt auch eine ganz bestimmte Interpretation. Warum nur hat Dix den Hahn so hervorgehoben? Warum hat er nicht einen Schrei aus dem Hintergrund dargestellt? Petrus hat ja auch den Hahn nicht gesehen.

Irgendwo hat einer gekräht. Warum hat Dix die Zerknirschung nicht vor dem Christus gemalt? Warum hat er sie vor diesem mächtigen Hahnenbiest gemalt?

Ich wehre mich, wenn ich dieses Bild sehe. Ich will nicht, daß ein alter, verdienter, würdiger Mann zu diesem Häufchen Elend wird vor einem auf geblähten Tier, das wie ein gekrönter Richter oder wie ein Scharfrichter mit dem Krallenschwert über ihm steht. Im Grunde will ich nicht, da etwas Tierisches in mir die Oberhand gewinnt. Mir geht das Bild von Dix eindeutig über den Bibeltext hinaus und interpretiert ihn auf eine beklemmende Weise.

Ganz am Text dagegen ist der raumfüllende und raumschneidende Schrei, der Petrus wieder partnerfähig macht. Nach diesem Schrei und dem, was er bewirkt in Petrus, wird Christus wieder mit seinem Freund rechnen können. Aber er wird ihm erst durch Vergebung helfen müssen.Und so verebbt der schneidende Hahnenschrei ja auch zu Füßen des Petrus, der Vergebung und mehr empfängt.

Die obere Linie dieses Schreis wird schon bei der von oben hereinbrechenden Parabel angehalten, der Parabei, die genau und doch weich herunterfällt.

Der Hahn ist nicht verschwunden aus der Christenheit. Wir haben ihn auf unsere Kirchturmspitzen gesetzt als Mahnung, damit diese Petrusstunden uns erspart werden oder doch so selten wie möglich treffen. Wie hat Jesus zu den Schlafenden gesagt, zu denen, die in ihrer Selbstgerechtigkeit schliefen: "Wachet, betet, daß euch die Macht der Finternis nicht überwältigt. Der Geist ist zwar bereit, aber die Müdigkeit des Leibes ist gefährlich." Oder wie es Luther so kurz und präzise gesagt hat: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.” So zittert das Petruserlebnis, das hier dargestellt ist, in der Geschichte der Christenheit nach.