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Die weiteren Predigten dieser Sammlung
Predigteihe zur Reformation:
Allein die Schrift
Predigteihe zur Reformation:
Allein Christus
Predigteihe zur Reformation:
Allein die Gnade
Predigteihe zur Reformation:
Allein der Glaube
Ökumenischer Gottesdienst am 15. Oktober
Schöpfungsgottesdienst am 8. Oktober
Sonntag, den 17. September 2017
Predigtreihe Teil 1: Wer bin ich?
Jahreslosung 2017
Weihnachten2016

Predigt am Sonntag, den 17. September 2017

Jesaja 41.10
Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark. Ich helfe dir, mit meiner siegreichen Hand beschütze ich dich.

Pfarrer Klaus

Liebe Gemeinde

Was macht Kinder stark? Was bestärkt sie ihren Weg zu gehen?Was verstärkt ihr Vertrauen? Danach möchte ich heute fragen. Heute an der Taufe eines Kindes. Zugleich werden unsere neuen Konfirmanden eingeführt. 8 junge Menschen sind es, die sich auf ihre Konfirmation vorbereiten.

In meiner alten Gemeinde führten wir einmal ein Seminar zu der Frage "starke Kinder" durch. Wir luden einen Professor von der Universität ein. Was er sagte, erinnerte mich stark an die Worte aus dem biblischen Buch des Jesaja. Denn anscheinend ist das auch der Wille Gottes. Das ist seine Absicht mit dem Leben. Ich mache dich stark, heisst es da. Was aber stärkt Kinder? Auf was können Erziehungsberechtigte besonders achten? Was ist für unseren Umgang wichtig, dass gestärkte Menschen heranwachsen. Drei Gedanken möchte ichdazu nennen:

1. Zuverlässigkeit

Mein erstes Stichwort ist Zuverlässigkeit. Zuverlässigkeit macht Kinder stark. Wenn sie das spüren an anderen Menschen, stärkt das ihre kleinen Seelen. Überall da, wo wir mit Menschen rechnen können, deren Worte zuverlässig sind, die dazu stehen, die nicht heute so reden und morgen anders, stärkt dies das Urvertrauen der Kinder.

Zuverlässig bedeutet, ich kann mit anderen rechnen. Sie gehen nicht einfach weg. Sie lassen mich nicht einfach allein, ich weiß sie kommen wieder. Sie sind präsent. Unsicher werden wir, wenn wir das Gefühl haben, da lassen mich Menschen unvorbereitet allein oder sie lassen mich zappeln im Ungewissen.

In unserem biblischen Buch heisst es von Gott: Ich steh dir bei. Das ist Zuverlässigkeit mit der ich rechnen kann und rechnen darf!

Am Wochenende war ich mit meinem Konfirmanden auf Kanutour am Bodensee. Wir fuhren bei der ersten Tour über den See nach Radolfzell. Kurz bevor wir anlegten, sagte ich ihnen lauthals: "Jetzt lade ich euch ein zum Eis". Beim Anlegen stellte ich aber fest: Ich hatte das Geld vergessen. Ich hatte mal wieder viel versprochen, aber konnte es nicht halten. Da meinte ich: Also, wenn wir morgen das noch mal wiederholen, dann vergesse ich es nicht! Also Morgen. Am nächsten Tag in der Frühe erinnerten sie mich daran: Gibt es heute Eis? War ich verlässlich in meinen Worten, stand hinter ihrer Frage. Konnten sie damit rechnen? Oder hatte ich sie nur vertröstet. Natürlich wollten sie wieder über den See schippern. Und ich musste diesmal zahlen, was ich gern tat. Junge Menschen verlassen sich auf das, was wir sagen. Sind wir verlässlich?

Dabei genoss ich es selbst, dass ich mich bei der Tour auf diese jungen Konfirmanden verlassen konnte. Das verstärkte auch in mir ein gutes Gefühl.

Aber Verlässlichkeit gilt auch für Grenzen, die wir setzen, nicht nur für die Versprechen. Junge Menschen prüfen schnell, ob wir selbst auch Grenzen, die wir setzen, beachten. Hat die Nichtbeachtung Folgen oder bleibt sie folgenlos. Junge Menschen kriegen das schnell raus, womit sie wirklich rechnen müssen. Auch dies gehört zum Bereich der Verlässlichkeit eines Menschen.
Und ich denke auch an den Bereich der strukturellen Verlässlichkeit. Gibt es verlässliche wiederkehrende Strukturen für junge Menschen. Wir leben in einer sich ständig verändernden Zeit. Umbrüche sind enorm. Traditionen brechen auf oder ganz weg. Was ist noch verlässlich, fragen Menschen?

Gerade bei Kindern braucht es verlässliche Strukturen eines Tages. Wiederkehrende Elemente stärken sie. Wiederkehrende Rituale wie etwa das gemeinsame Frühstück oder das Abendgebet stärkt ihre Innerstes. Wiederkehrende Abläufe stärken.

Kein Wunder, dass Gott selbst sich als der Zuverlässige vorstellt: Ich stehe dir bei, heisst es. So taufen wir die Kinder auf seinen Namen und kommen in seinem Namen zusammen. Auf das wir selbst gestärkt und unser Glaube bestärkt wird.

Mein zweites Stichwort ist HELFEN

Bei Jesaja heisst es: Ich helfe dir. Kinder stärken wir, indem wir sie unterstützen und ihnen helfen. Wir ermuntern sie bei den Aufgaben, wenn sie aus der Schule kommen. Manche Eltern sitzen noch mit dabei. Helfen ist unterstützen, ermuntern, aber nicht ihnen alles abnehmen. Helfen heisst abwägen, was kann ich ihnen zumuten und was ist eine Zumutung für sie. Das ist zuweilen gar nicht leicht. Ich darf sie nicht über noch unterfordern.

Dabei soll das Helfen Kinder ja nicht abhängig von uns machen. Das würde sie schwächen. Nein, durch fördern und fordern können sie an ihre eigenen Möglichkeiten anknüpfen und diese verstärken.

Es wundert mich daher nicht, dass Gott sich als Helfender vorstellt: Ich helfe dir heisst es bei Jesaja.

Keine Frage: Gott wird uns auch Herausforderungen über den Weg schicken und die werden zuweilen nicht klein sein. Er wird uns auch fordern. Aber er verspricht auch, ich werde dir helfen. Daher taufen wir Kinder in seinem Namen und auf seinen Namen, der Hilfe verspricht. Und manchmal wohl sind wir Gottes kleine Gehilfen, das Leben auf diese Weise zu stärken.

Mein drittes Stichwort: Fürchte dich nicht!

Starke Kinder können über Gefühle wie Angst reden. Das wäre auch ein gutes Ziel von Erziehung. Starke Menschen können über ihre Schwächen reden. Starke Menschen sind für mich keine, die ohne Angst wären und ganz cool durch das Leben gehen. Nein, es sind solche, die gelernt haben, damit umzugehen und damit zurechtkommen, dass auch diese Gefühle da sind und sich zuweilen in uns melden.

Neulich fragte mich meine Partnerin: Roland, kennst du Ängste? Auf diese Frage stellte sich bei mir erst mal Verlegenheit ein. Denn ich bin ein Mann und Männer reden nicht so gern über solche Gefühle. Wir reden stundenweise über Fussball und Politik, aber die Welt der Emotionen, auch die der von dunklen Emotionen, ist uns oft nicht so zugänglich. Zudem haben wir Männer wohl ein Bild von STÄRKE internalisiert, dass so beschrieben werden kann: Stark ist, wer über diesen Gefühlen steht. Wir sind geprägt von Sätzen wie: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Da gibt es keinen Platz für ein Gefühl, das ihm was weh tut. Im Übrigen: Dieser Satz stammt von Karl May und seinem Winnetou. Der prägt noch heute manches Wort der Erwachsenen an ihre Kinder. Aber machen wir sie so stark? Was verstärken wir in ihnen? Vielleicht das Denken: Darüber darfst du nicht reden, das darfst du nicht haben.

Starke Menschen aber sind für mich solche , die mit ihren Schwächen zurecht kommen, die mit ihren dunklen Gefühlen klar kommen, die sie auch zeigen können und dürfen. Wer schwach sein darf, ist stark! Wer stark sein muss ohne Schwächen zeigen zu dürfen, ist arm dran.

Kein Wunder, dass Gott sich nun vorstellt mit den Worten: Fürchte dich nicht. Ich mache dich stark. Er stellt sich selbst dem bangen Denken gegenüber: Ich helfe dir, ich steh dir bei. ER bietet sich an als Gegenmittel. ER selbst hat sich in Christus ja gerade den Schwachen zugewandt. Gott will keine harten Typen, keine Typen wie Kruppstahl formen, er will starke Typen formen. Gott macht stark, dass wir mit Schwierigkeiten leben können. Der Glaube an Christus macht kleine verletzliche Kinderherzen stark. Darum taufen wir in und auf seinen stärkenden Namen.

Amen