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am 8. Oktober

 
"Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!

Pfarrer Klaus

Liebe Gemeinde

Wenn morgen die Welt untergehen würde, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen. Der Satz wird oft Martin Luther zugeschrieben. Wahrscheinlich aber hat er ihn nie gesagt. Und das spielt auch nicht die Rolle, ob der große Reformator das gesagt hat. Entscheidend ist nicht, wer etwas sagt, sondern ob das, was jemand sagt, hilft, das Leben besser zu gestalten. Ist das also ein lebensfördernder Ausspruch?

Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen. Mir gefällt er jedenfalls. Denn es ist ein trotziger Ausspruch. Trotzig wie ein kleines Kind. Da stellt sich jemand düsteren Prognosen entgegen. Und die gibt es ja. So habe ich etwa gelesen, dass wir Deutschen unsere gesteckten Klimaziele wohl schwerlich erreichen werden. Einsparung von CO2 bis 2020 um 40 %. Doch allen derzeitigen Fakten zum Trotz heisst es da: Ich pflanze trotzdem meinen Baum! Ich tue was im Kleinen. Ich leiste meinen Beitrag. Da hofft einer und handelt. Wenn morgen die Welt unterginge, pflanze ich heute ich noch einen Apfelbaümchen.

Ich höre schon einige kritische Einsprüche gegen unseren Ausspruch. Da ist der pessimistische Einspruch zu hören. So ungefähr hinterfragt er den Ausspruch: "Nützt dein kleiner Apfelbaum was? Was nützt denn ein Apfelbäumchen? Was nützt ein Baum mit dem du Co2 verringerst gegenüber der Abholzung ganzer Regenwaldflächen? Das findet derzeit jeden Tag statt, weil wir Bio-Sprit brauchen oder großflächig Futtermittel angebaut werden. Was ändert da dein Apfelbäumchen dran? Das ist ein wenig Kosmetik. Mehr nicht! Weisst du, dass täglich zig Hektar Fläche zugepflastert, zubetoniert, asphaltiert werden und verloren sind? Und es gibt immer weniger Ausgleichflächen dafür. Was soll da ein Apfelbäumchen bewirken? Das ändert nichts. Das ist nichts! Das sind Peanuts! Und es könnten weitere Fakten angeführt werden. Die Trockenheit in diesem Sommer in europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien nahm zu. Über 40 Grad Celsius wurden gemessen. Dazu kommen zunehmende Sommerstürme. Kalte Luft, die sich mit warmer mischt und Unwetter produziert. Zusammenfassend lässt sich kritisch-pessimistisch Stephen Hawking, der Astrophysiker, zitieren. Er hat in einem Interview gesagt: "Ich gebe der Welt und uns noch 100 Jahre!"

Ja, das sind kritische Stimmen. Ich nehme diese pessimistischen Denker ernst. Man muss sie ernstnehmen. Ich möchte ihnen aber auch antworten: Kann die Alternative sein, nichts zu tun? Ist nicht jeder Beitrag zum Schutz, zur Einsparung, zur Reduktion wichtig? Der Apfelbaum, das ist für mich der Schüler, der mit dem Fahrrad morgens zur Schule kommt. Er könnte auch Papa oder Mama bitten: Fahrt ihr mich die 500 Meter zur Schule! Das ist mir zu weit. Ich schlafe doch gern noch ein wenig länger. Aber er steigt auf sein Rad und fährt die Strecke. Soll ich ihm sagen: He, spar dir das! Das ändert nichts. Nein, ich will ihm sagen: Mach weiter so. Das ist dein Apfelbäumchen. Und ich will der Fahrgemeinschaft sagen, die täglich sich auf dem Parkplatz trifft und zwei Auto stehen lässt. Das ist euer Beitrag. Jeder kann zum Einsparen was tun. Ich habe letztens Entwürfe von Architekten gesehen, die die Häuser der Zukunft planen. Da sah ich, wie sie auf Dächern Palmen pflanzen und an den Hauswänden wachsen vertikal Pflanzen. Da geht Beton und Pflanze zusammen. Da ist Phantasie und Kreativität am Werke. Das sind für mich Apfelbaumpflanzer! Nun weiß ich nicht, ob das die Kritiker beruhigt! Das will ich auch gar nicht: beruhigen! Manche Entwicklung ist einfach beunruhigend. Aber gerade deswegen gilt: Ich pflanze mein Bäumchen. Ich geb die Welt nicht verloren. Gegen allen Augenschein wirke und handle ich. Denn diese bedrohte Welt ist Gottes gute Schöpfung. Und wir sind seine Geschöpfe. Er hält an uns und der Welt fest. Er hält sie in der Hand. Wie könnte ich da sagen: Lass alles laufen!

Solche Sätze mögen nun auf der anderen Seite die optimistischen Stimmen wachrufen. Auch sie gibt es. Und sie reden oft so: Liebe Leute: Wir brauchen mehr Optimismus. Wer wird anfangen zu handeln ,wenn wir pessimistische Aussichten verbreiten. Da fängt doch keiner an, was zu tun. Und überhaupt. So schlimm ist das alles nicht, wie die Pessimisten das sehen. Stephen Hawking zum Trotz. Solche Leute malen den Teufel an die Wand. Die Menschheit hat schon viele Krisen überstanden. Da gab es mal eine Eiszeit. Weite Flächen waren überzogen mit dickem Eis. Und? Noch heute steht sie, die Welt. Dank der Phantasie und Kreativität, dem Forschergeist . Da stimmen wir voll mit dem Pfarrer überein, der auf die Architektenhäuser der Zukunft hingewiesen hat Fazit: Wir werden schon genug Möglichkeiten finden, Schlimmeres zu verhindern.

Solche optimistischen Stimmen höre ich auch. Aber auch ihnen will ich etwas entgegenhalten. Optimismus wird nicht ausreichen! Es ist zu wenig. Ich glaube, es braucht mehr als das. Es braucht ein verändertes Denken, eine veränderte Lebensweise. Dieses andere Denken steckt im Bild des Apfelbaumes. Drei neue Denkweisen sehe ich, die im Symbol Apfelbaum anklingen.

1. Wer einen Apfelbaum pflanzt, denkt über sich hinaus.

Gegenüber dem Pfarrhaus steht ein Nussbaum. Ich weiß nicht, wer ihn mal gepflanzt hat. Er ist groß gewachsen und trägt jedes Jahr Nüsse. Er bietet für die Kinder im Sommer Schatten. Auch die Kinder werden den Pflanzer nicht kennengelernt haben. Vögel sitzen in den Ästen und in letzter Zeit sehe ich von meinem Wohnzimmer immer wieder ein Eichhörnchen. Es sammelt für den Winter Vorräte. Der Nussbaumpflanzer ist längst gestorben. Aber was er pflanzte ist noch da und andere haben was davon. Er dachte über sich und seine Zeit hinaus. Und ich denke auf diese Lebensweise kommt es an. Manche nennen das: enkelverträglich leben, Generationen übergreifend leben und handeln. Es gilt unsere Bedürfnisse heute so zu befriedigen, dass auch die Kindeskinder noch ihre Bedürfnisse befriedigen können. Der Appetit auf Konsum darf nicht zum Hunger der Zukunft werden. Diese neue Denkweise speist sich aus unserem Glauben. Gott sagte einst zu Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein für deine Kinder und ich will sie segnen und die Völker. Da schliesst Gott offenbar einen Generationenvertrag und macht uns zu Mitarbeitern daran. Er segnet unser Tun, wo wir über uns hinausdenken lernen!

2. Wer einen Apfelbaum pflanzt, denkt langfristig

Wer einen Baum pflanzt, rechnet mit größeren Zeiträumen, bis der Baum Frucht trägt. Jahre gehen dabei schnell ins Land. Ein Baum steht nicht für schnellen Erfolg. Man erntet nicht gleich! Ich glaube, es braucht ein langfristiges Denken. Welche Auswirkungen hat z.B. meine Lebensweise heute? Heute gibt es Produkte, die bewusst in ihrer Lebensdauer verkürzt werden, damit die Nachfrage danach wieder steigt. Immer schneller wechseln neue Modelle veränderter Produkte. Aber die Ressourcen dafür sind begrenzt und werden immer schneller verbraucht. Da braucht es wohl ein Umdenken. Wer langfristig denkt, wird nicht weniger gut leben können.

3. Wer einen Apfelbaum pflanzt, weiß um das Geschenk der Frucht.

Bei einem Baum kannst du die Frucht nicht machen. Sie wächst einfach oder bleibt auch zuweilen aus. Die Frucht, so sagen wir, ist Gottes Segen. Sie ist sein Geschenk. Heute ist nach modernem Denken alles machbar, so scheint es. Aber dabei vergessen wir etwas Wesentliches. Du kannst nicht einmal einen Apfel schaffen, kreieren. Er ist Gottes Gabe. Die Welt ist Gottes Gabe. Sie ist Gottes Leihgabe an uns Menschen. Und wir nehmen diese Gabe in unserem Tun in die Hand. Was wir tun, soll darauf hinweisen. Sie gehört uns nicht. Wir freuen uns an dem, was sie bietet, wir genießen es auch, wir nutzen es, aber wir wissen dabei: Die Erde ist Leihgabe.

Drei neue Denkweisen, die ja gar nicht so neu sind. Im Grunde sind sie schon angelegt in der Bibel, im Glauben der Altvorderen. Dieses veränderte Denken kommt daher aus dem Glauben, nicht allein aus Optimismus.

Ich schließe mit einer eindrücklichen Geschichte: Alles begann vor vielen Jahren. Wenqi hatte als Kind bei einem Unfall beide Arme verloren, und weil Haixia blind ist, bekamen sie wegen ihrer Behinderungen keine feste Arbeitsstelle in ihrem Dorf in China. Doch anstatt zu resignieren hatten die beiden 54-jährigen eine wundervolle Idee. In ihrem Dorf Yeli sah die Landschaft trostlos aus. Es wuchsen keine Pflanzen mehr und überall lagen Steine auf dem staubigem Boden. Es war reines Ödland. Also fingen sie an und pflanzten Bäume. Ihr Ziel: ein ganzer Wald. Das machen sie bereits seit mehr als 15 Jahren und haben mittlerweile 10 000 Bäume gepflanzt.

Die beiden Männer fingen trotzig an, was zu tun. Für sie galt: Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen