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Predigteihe zur Reformation:
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Predigteihe zur Reformation:
Allein die Gnade
Predigteihe zur Reformation:
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Schöpfungsgottesdienst am 8. Oktober
Sonntag, den 17. September 2017
Predigtreihe Teil 1: Wer bin ich?
Jahreslosung 2017
Weihnachten2016

Predigtreihe Teil 1:

Wer bin ich? Was macht mich aus? Auf der Suche nach meiner Identität

 

Sonntag, den 29. Januar 2017, Pfarrer Klaus

Liebe Gemeinde

Kennen sie das Spiel "Wer bin ich?" Wir haben es oft als Jugendliche gespielt. Es geht so. Du denkst dir jemand Prominentes aus, den ein jeder kennt. Du schlüpfst  in seine Rolle. Also, dann bist Winnetou oder der Froschkönig oder Madonna oder Harry Potter oder so. Die anderen müssen  durch Fragen erraten, wer du bist? Sie stellen Fragen, auf die du ja oder nein antworten kannst. Etwa: Bist du eine Filmgestalt? Bist du über 70? Männlich? Lebst du noch? Bist du verheiratet ? Hast du Filme gemacht?  So gewinnt man langsam ein Bild von einem Menschen! In Umrissen bekommt man ein Bild vor Augen und kann raten.

Wer bist du? Das ist nicht nur ein Spiel. Es ist eine wichtige Frage im Leben. Was macht mich aus? Was ist so der rote Faden durch mein Leben? Was ist so meine einzigartige Persönlichkeit? Was ist mein Wesenskern, meine Identität? Natürlich kann man sagen: Ich bin ich und du bist du. Mit Kindern singen wir oft ein Lied. Da heisst es:  Du bist du, das ist der Clou.

Aber ein paar mehr Gedanken zur Frage dürfen es heute schon sein. Denn die Frage, wer bin ich, stellt sich immer wieder. Das fragen sich junge Menschen und Jugendliche. Gerade im Jugendalter fängst du an tiefer zu bohren. Was macht mich aus, wer bin ich wirklich? Man sucht sich selbst. Selbstfindung ist angesagt. Da reicht es nicht zu sagen: Du bist die Tochter von Heinz und Gerda. Du bist 13 Jahre alt. Da fragt man tiefer nach.

Und das ist ja nicht nur eine Frage für Einzelne. Auch Gruppen, Gesellschaften, ja Völkern stellt sich die Frage: Wer sind wir? Da nennt sich etwa eine Gruppe in Deutschland Pegida. Sie demonstrierten jeden Montag lautstark in unserem Land. (Pegida -kurz für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) Da skandieren sie, wir sind das Volk, nennen sich Patrioten, die sich klar gegen Menschen einer anderen Religion abgrenzen möchten. Was sind wir für ein Land? Darüber ist immer wieder zu diskutieren, auch zu streiten. Wie wollen wir sein? Ein tolerantes, ein weltoffenes oder eines, das sich national abschottet und "Deutsche zuerst" skandiert? In vielen Ländern werden solche nationalen Töne lauter. Das hängt mit der Identitätssuche, dem Selbstverständnis zusammen. Wer wollen wir sein? Was ist das besondere an uns im Gegensatz  zu anderen?

Wir merken hierbei schon, dass die Frage etwas mit kultureller und sozialer Identität zu tun hat. Daher hält mein Personalausweis auch solche Kriterien fest. Wenn du in deinen Personalausweis guckst, dann findest du Identitätsmerkmale. Da steht bei mir drin: Deutsch, 173 groß, blaue Augen, Geburtsort und Wohnort. Das wird ein Stück Identität  genannt. Das macht mich auch aus. Wo ich herkomme, welchen kulturellen Hintergrund  ich habe.  Auch äußerliches: Augenfarbe und Größe. Aber  das ist auch  nur ein kleiner Ausschnitt. Da sind Teilaspekte: Die Frage, wer bin ich, reicht  tiefer?

Es gibt eine Werbung vom Peterstaler Sprudel. Da wird jemand interviewt. Wer sind sie, fragt man ihn.Ich bin Peterstaler, antwortet er. Schon 23 Jahre. Dieses "ich bin Peterstaler" klingt so, als ob die Arbeit  sein ganzes Wesen ausmacht. Ganz und gar. Da ist für anders kein Platz mehr. Doch wohl ist dieser Mensch ja noch mehr. Vielleicht Familienvater von zwei Kindern. Vielleicht begeisterter Sportler in der Freizeit. Und irgendwann wird er Rentner sein. Dann war er Peterstaler. Da merkt man: Manches Identitätsmerkmal ist nur zeitweise gegeben. Eine ausschließliche Identifikation damit erscheint schwierig. Was bleibt zur Klärung dann aber noch?

Ich möchte ihnen heute ein Gedicht vorstellen. Es stammt aus der Feder von Dietrich Bonhoeffer. Er war Pfarrer und Theologe. Er  nannte das Gedicht: "wer bin ich?" Er schrieb es vor 75 Jahren. Er saß dabei im Gefängnis, in Berlin-Tegel, in Untersuchungshaft. Man vermutete, er gehöre einer Verschwörung  gegen die Nationalsozialisten an. Man nahm ihn fest, weil er sich auch für die jüdischen Mitbürger ausgesprochen hatte. In einer kalten Zelle schrieb er dieses Gedicht. Er stellt sich dieser wichtigen Frage: Wer bin ich? Ich mag es sehr. Ich gehe es entlang.

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen
und heiter und fest wie ein Gutsherr  aus seinem Schloß.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei
und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig,
lächelnd und stolz,wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Wissen es andere besser, die uns erleben, wer wir sind? Aber was sehen andere  an mir wirklich? Durchaus unterschiedlich wirke ich auf andere, je nach Situation und Gelegenheit. Bei Jugendlichen sagen mir manchmal Eltern: Herr Pfarrer, was sie von meinem Kind erzählen, das ist ganz anders als ich es zuhause erlebe. Das ist nicht die gleiche. Das muss eine andere Person sein. Wir zeigen uns unterschiedlich. Jugendliche haben das Gefühl, in Schule, Elternhaus unter Freunden unterschiedliche Rollen spielen zu müssen. Zudem sehen andere nur einen Aspekt an mir, der ihnen wohl besonders auffällt. Macht mich das schon in Gänze aus?
 
Lesenwir weiter, was Bonhoeffer dichtet.

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe…

Bonheoffernimmt sich wahr, aufmerksam. Kennt er sich nicht am Besten, fragt er sich? Doch auch hier in der Selbtbeobachtung findet er keine endgültige Antwort Denn manches ändert sich im Leben. Und du veränderst dich, entwickelst neue Seiten an dir. Und manchmal entwickeln wir ein Bild von uns, das nicht den Jetztzustand festhält, sondern eher so ist, wie wir sein möchten oder gespiegelt kriegen von anderen, dass wir das sind. Unser Selbstbild ist gemischt aus Wünschen, Sehnsüchten und Idealen. So würde ich gern sein.
 
Lesen wir weiter, was Bonhoeffer schreibt.

Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Jetzt treibt er es auf die Spitze. Bin ich beides, eine multiple Persönlichkeit? Nun sind sie sicher gespannt, was er abschließend festhält. Daher hören wir seinen Originalton:

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Das ist seine abschließende Antwort. Er hat vieles gedanklich durchgespielt. Seine Antwort kommt nicht von anderen und nicht durch ihn selbst. Wie ich mich wahrnehme, was ich von mir weiß, was andere vonmir kennen, sind Teilaspekte. Ich bin mehr als andere sehen oder ich selbst von mir weiß. Seine Antwort  lautet deshalb: Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! Du kennst mich? Da  kennt mich einer durch und er blickt durch, durchschaut mich. Er versteht mich!  Er sieht bis auf den Grund der Seele und weiß, was da ist. Erkennen ist  mehr als etwas vom anderen zu wissen. Das hebräische Wort "erkennen" gibt zugleich die Liebe zweier Menschen wieder. Du kennst mich. Du liebst mich. Dein bin ich. Gott wird hier als Du angesprochen, als Gegenüber. Da gibt es eine Beziehung. Was mich bleibend ausmacht, ist diese Beziehung. Diese Beziehung definiert mich. Die Beziehung  bleibt, hält beständig, bricht von Gottes Seite nicht ab. Ich bin gekannt, erkannt, ich bin geliebt. Ich bin sein! Das macht mich unabhängig von allen Festlegungen, wie ich sein sollte, wie ich sein wollte. Da kann ich manches offen lassen. Da bleibt mir auch manches am anderen verborgen. Da bleibt mir zuweilen der Andere ein Rätsel. Unsere wahre Geschichte kennt nur Gott. Gott kennt, erkennt, liebt mich.  Wer ich auch bin, Dein bin ich!