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Pfarrer Klaus hat keine festgelegten Sprechzeiten. Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit ihm unter der oben genannten Telefonnummer oder per Mail direkt an
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Die weiteren Predigten dieser Sammlung
Predigteihe zur Reformation:
Allein die Schrift
Predigteihe zur Reformation:
Allein Christus
Predigteihe zur Reformation:
Allein die Gnade
Predigteihe zur Reformation:
Allein der Glaube
Ökumenischer Gottesdienst am 15. Oktober
Schöpfungsgottesdienst am 8. Oktober
Sonntag, den 17. September 2017
Predigtreihe Teil 1: Wer bin ich?
Jahreslosung 2017
Weihnachten2016

Predigt an Heiligabend 2016

Johannes 3.16
Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben nicht verloren werden.

Pfarrer Klaus

Liebe Gemeinde

Eine Konfirmandin sagte in der letzen Konfistunde: Ich bin so gar nicht in Weihnachtsstimmung. Wie gehts es ihnen? Was mag heute an Stimmungen und Gefühlen in uns sein? Sie können ganz schön wechseln innerhalb einer Woche. Was bringen wir mit in diesen Heiligen Abend? Manche kommen aus einer hektischen Arbeitswoche. Erst allmählich wird aus Geschäftigkeit zur Ruhe kommen. Das dauert. Wir kommen auch aus einer aufwühlenden Woche. Noch wirkt wohl der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin nach. Mitten auf einen friedlichen Markt mit Glühwein und  Geschenke kaufen rast der Hass hinein. Menschen wollten letzte Besorgungen machen, die Stimmung genießen. Und dann rast Wut, Zorn zwischen sie. Menschen aus mehreren Ländern  verlieren ihre Lieben. Weitere sind schwer verletzt. Angehörige bangen um sie. Wir  wollen auch an sie denken.  Wir können ja nicht an ihnen vorbei Weihnachten begehen. Aber was können wir tun? Ich glaube Weihnachten noch bewusster wahrnehmen. Noch bewusster auf sich wirkenlassen, was wir da tun,  feiern undbegehen.

Weihnachten  ist das Fest der Zuwendung und Zuneigung. Und das spiegelt sich  in unserer Kultur, wie wir es feiern, wieder. Wir verpacken  liebevoll Geschenke, werden sie unter den Baum legen. Wir haben dabei überlegt, was einem andern gefallen könnte. Diese Geschenke drücken Wertschätzung aus. Von den selbst gestrickten Socken bis zum Gutschein. Und die schöne  Grußkarte zeigt mir, wer an mich denkt. Ich hab  schon einige besonders angesehen, durchgelesen. Manche sind sehr persönlich. Das zeigt Verbundenheit. Und da ist der leuchtende Baum, den ich dies Jahr bewusster schmückte. Ich sage mir : ja, da gibt es Dunkelheit. Aber noch mehr Licht. Ich lasse mich nicht einschüchtern von Hass und Gewalt, denk ich mir dabei. Kriegst mich nicht klein, stand irgendwo in Berlin zu lesen. Und dann ist da meine Krippe.  Sie ist für mich Gottes Antwort auf  Hass und Gewalt. Johannes packt diese Antwort in wunderbare Worte:
„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab damit alle, die an ihn glauben, nicht verlorenwerden.“  Alles, was wir an Weihnachten tun,  spiegelt, was hier geschieht: Wir feiern Gottes Zuwendung und Zuneigung zur Welt. An Weihnachten ist die Wertschätzung des Lebens greifbar. Lassen sie uns Worte des Evangeliums näher betrachten: Liebe - Welt-  nicht verloren gehen.

Also hat Gott die Welt geliebt. So beginnt die Weihnachtsbotschaft. Gott und Liebe werden hier in einem Atemzug genannt.  Überaschend. Manchmal bekommen wir beides nicht mehr zusammen. Gott und Welt. Gott und unser Leben. Liebe und Gott. Wo ist er den zu finden fragen wir, zu spüren? Was passiert nicht alles und ich kriege es eben nicht zusammen. Gott und Liebe. Gott und diese unsere Welt.  Und da sagt uns Weihnachten: Such da an dem einen Punkt, im Stall, in der Krippe, in dem einen Menschen, der da geboren wurde. Es ist dieser eine Punkt in unser Welt, wo sich Liebe verdichtet. Gottes Liebe ist da ganz dicht. Da tritt sie ein in unser Welt und die Welt wird sie nicht los. Und man kann sie nicht töten und man kann sie mit Gewalt nicht zerstören. Denn  der, der geboren wurde, starb und überwand denTod. So bleibt ein ALSO:  Also gilt. Also steht fest. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Das ist der Kern unser christlichenReligion.  Das ist der Kern von Weihnachten. An Weihnachten ist die Wertschätzung des Lebens greifbar. Da ist sie spürbar. Da gilt sie ohne Ausnahme. Da gilt sie dir, da gilt sie mir. Da bleibt sie. Und sie gilt es zu gewinnen und nicht zu verlieren. Nicht aus dem Augen zu verlieren, nicht aus dem Herzen, nicht aus dem Denken. Die Wertschätzung des Lebens gilt  es in einer Gesellschaft zu bewahren, gerade in diesen Tagen. Achtung vor dem Leben ist gefragt. Zuwendung ist gefragt zu denen, die in Not sind, die uns wirklich brauchen. Die Herausforderung dieserTage ist der Respekt vor dem anderen. Respekt gegenüber dem anderen Lebensstil, der anderen Meinung, dem anderen Glauben. Diese Grundwerte und Überzeugungen will und wollte man erschüttern. Doch ich will mich nicht in meiner Überzeugung einschüchtern lassen: Eine Gesellschaft lebt entscheidend von Zuwendung und gegenseitigem Respekt. Jedes Leben lebt von der Wertschätzung anderer. Ich brauche sie selbst, ja sehne mich danach. Und ich freu mich daran wo ich sie spüre, sei es im Geschenk sei es in der Karte sei es mit der Tat oder im Wort.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Von er Welt ist die Rede. Wie nah kommt uns doch zuweilen die Welt- hautnah in diesen Tagen. Die Welt in ihrer ganzen Gegensätzlichkeit, Zwiespältigkeit. Es ist diese Welt, in der heute Abend Familien glücklich sind, weil die Kinder kommen und die Enkel werden Oma drücken. Und zugleich werden Menschen da sein, die einen Partner vermissen. Er ist nicht mehr da. Es ist die Welt der Spiel Zimmer und Krankenzimmer. Es ist die Welt in der gelitten undgefeiert wird. Es ist diese Welt, in der sich Menschen vor Überfremdung fürchten und zugleich die Welt, in der Migrantenkinder große Augen bekommen,  weil irgendwo  ein menschlicher Engel sagt: Fürchtet euch nicht ! Hier bist du sicher. Hier darfst du sein! Es ist die Welt, in der heute gelacht, gefreut aber auch getrauert wird. Es ist die Welt, in der Menschen über einen Markt schlendern wollten, einen Glühwein trinken und zugleich die Welt, in die der Zorn und Wut hineinrast. Eine gegensätzlich, ambivalente, zwiespältige Welt. Und das wirkt bis hinein in meine Seele. Das verunsichert. Wie sind wir wirklich dran? In dieser Verunsicherung steht etwas fest: Eindeutig fest. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Das ist geschehen.  Sieh die Welt nie ohne diesen Satz. Sieh dich nie ohne diese Aussage.  Gott hält an seiner Welt fest. Gott legt sich fest. Er gibt sich hinein in Probleme und Zwiespältigkeiten. Er riskiert enttäuscht zu werden, abgelehnt zu werden. Zuwendung riskiert zu gewinnen, aber kann Menschen auch verlieren. Ja immer riskiert  Zuwendung, dass sie auch missbraucht wird und ausgenutzt. Dass sie Menschen nicht gewinnt, sondern verliert. Dass sie Menschen verliert an den Fundamentalismus. An einfache radikale Parolen, die Fremde gegen Deutsche ausspielen wollen, an die Wut und den Hass. Das Evangelium ist aber klar.  Also hat Gott die Welt geliebt, dass die Menschen nicht verloren werden. Da steh eben nicht: Also hat Gottdie Deutschen geliebt. Es heisst die Welt. Wie wollte man die einen gegen die anderen ausspielen? Gottes Herz ist immer größer als unseres. Größer als unseres zuweilen sein kann.

Gott kommt in unsere Welt, damit keiner verloren geht. Verloren haben wir, wenn wir uns zu sehr von der Angst leiten lassen. Verloren haben wir,  wenn wir am Fundament unserer Gesellschaft rütteln lassen. Und dazu gehören auch  christliche Werte und Überzeugungen. Verlieren dürfen nicht die Flüchtlinge, die genau vor den Radikalen geflohen sind. Sie dürfen nicht die Verlierer des Anschlags sein und werden. Und anscheinend ist das tiefste Verloren sein das Verlieren der Liebe, nicht mehr glauben zu können, dass mein Leben wertgeschätzt ist. Wie sollte ich es für andere dann auch glauben? Umso mehr gilt es  für sich zu hören: Also hat Gott, die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden.“   Es ist das letzte Wort über die Welt, über mich und dich.  Es ist das letzte Wort über andere. Weihnachten geschieht für alle! Ohne Ausnahme. Alle die wir gerne haben, mit denen wir heute Abend feiern,  die wir in den Arm nehmen, beschenken, an sie denken, telefonieren, mailen, skypen und die, die wir schmerzlich vermissen.  Und es geht darüber hinaus. Und so ist es gut, wenn wir heute Abend über uns hinausdenken, wenn wir auch in Gebeten bei den Berlinern sind und den Familien dort.

Niemand verloren geben! Der schreiende, säugende Krippen Säugling steht dafür. Der Christus, der gibt, was er von Gott hat, was er in sich trägt und mitbringt. Er, der zuletzt sein Leben gibt. Er den der Hass ans Kreuz schlägt. Der aber nicht verliert, was er in sich trägt. Hass beugt nicht seine Überzeugung. Gewalt wandelt nicht seine Zuwendung. Lass dich davon gewinnen! Da hält die Wertschätzung des Lebens an uns fest. Das bleibt also! Also hat Gott die Welt geliebt, auf dass alle, die an ihn glauben nicht verloren werden.